Turner – Das Meer und die Alpen

Der britische Maler J.M.W. Turner im Kunstmuseum Luzern

Grüne Wiese, Foto: Stefan Groß

Turner – Das Meer und die Alpen, Hirmer Verlag, München 2019, ISBN: 978-3-7774-3267-0, 34,90 EURO (D)

Der britische Maler J.M.W. Turner bereist die Schweiz auf der Suche nach spektakulären Motiven mehrfach. Dabei besucht er auch immer wieder Luzern, um vor Ort das einmalige Zusammenspiel von Licht und Wetter, See und Bergen zu studieren. Seine Eindrücke hält er in Skizzen und leuchtenden Aquarellen fest. Die Beobachtung und Darstellung sowohl des Meeres bei der Überreise als auch der Alpen sind für Turner von zentraler Bedeutung: Hier kumulieren Schönheit und Bedrohlichkeit der Natur direkt zum Sujet des Erhabenen, das für die Romantik zentral ist. Turners Begeisterung für die Schweiz ist so groß, dass er sie zwischen 1802 und 1844 insgesamt sechsmal besucht. 

Mit der Ausstellung Turner. Das Meer und die Alpen (6.7.-13.10.2019) feiert das Kunstmuseum Luzern 2019 das 200-Jahr-Jubiläum der Kunstgesellschaft Luzern, dem Trägerverein des Kunstmuseums Luzern. Sie ist das Ergebnis einer mehr als dreijährigen kuratorischen und organisatorischen Kooperation mit der Tate Britain. Dies ist der gleichnamige Katalog zur Ausstellung: „Dabei richtet sie die Aufmerksamkeit nicht nur auf die beeindruckenden Werke von den Alpen und deren besonderen Umweltbedingungen, sondern auch auf die Bilder von Meereslandschaften, Städten und Wetterlagen des gesamten Kontinents.“ (S. 7)

Turners Werke werden von vier Essays flankiert: Im ersten Essay von David Blayney Brown geht es um das Zusammenspiel der Wirkung von Licht und Farbe und die dynamischen Bewegungsenergie in Turners Werk. Cees Nootebloom beschäftigt sich danach mit Turners Faszination für die Alpen und seine Reisen in die Schweiz. Anschließend stellt Fanni Fetzer dar, wie Turner bei der Landschaftsmalerei die Witterung selbst zum Thema macht und ein und dasselbe Sujet bei unterschiedlichen Wetterlagen malt. Beat Wismer diskutiert das Topos von Turner als Vorläufer der modernen Malerei. Im Anhang findet man noch einen tabellarischen Lebenslauf von Turner, ausgewählte Literatur und ein Verzeichnis der ausgestellten Werke. 

In diesem Werk werden Hintergründe, Erfahrungshorizonte und Parameter der Werke Turners ausführlich geschildert. Bei den hier gezeigten Werken fällt auf, dass ein Minimum an Gegenständlichem ist mit einem Höchstmaß an atmosphärischen Farb- und Helligkeitsabstufungen wiedergegeben wird und er keine topografische Genauigkeit anstrebt. Seine Darstellungsweise von spektakulären Landschaften vermittelt den Ausdruck von sinnlich Erfahrenem und ebenso sinnlich Wahrzunehmendem. Die Inhalte im Anhang haben allerdings eine zu kleine Schriftgröße und sind schwer zu lesen.

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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.