Erste eigene Ausstellung zu Adele Schopenhauer eröffnet im Goethe- und Schiller-Archiv

Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar, Foto: Stefan Groß

Anlässlich des 170. Todestages von Adele Schopenhauer (1797–1849) widmet ihr das Goethe- und Schiller-Archiv vom 2. August bis 15. Dezember 2019 die Ausstellung „Weil ich so individuell bin“. Es ist die erste Schau überhaupt, die sich allein mit Adele Schopenhauer sowie ihrem künstlerischen und dichterischen Werk auseinandersetzt. Die Ausstellung präsentiert Adeles Tagebücher, von ihr verfasste Gedichte und Märchen ebenso wie ihre berühmten Scherenschnitte, visionären Arabesken und phantasievollen Aquarelle. Im Original gezeigte Briefe geben zudem Einblick in das Verhältnis zu ihrem Bruder Arthur, die enge Beziehung zum „Vater“ Goethe oder auch die Freundschaft zum Schriftsteller Immermann.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Obgleich Adele Schopenhauer in Hamburg geboren wurde und in Bonn starb, war sie Weimar zeitlebens eng verbunden. Ihre Mutter Johanna hatte, nach dem Suizid ihres Mannes in Hamburg, die Stadt an der Ilm für einen neuen Anfang ausgewählt. Die Teeabende der kunst- und kulturinteressierten Johanna Schopenhauer, bei denen Goethe oft zu Gast war, wurden rasch Treffpunkt der intellektuellen Gesellschaft Weimars. Der Geheimrat schätzte insbesondere das Talent der jungen Adele als Schauspielerin und Künstlerin. An der Konzeption des ausgestellten Scherenschnitts zu seinem ‚Hochzeitlied‘ arbeitete er selbst mit.
Der Verlust des Familienvermögens im Jahr 1819, mehrere Liebesenttäuschungen sowie familiäre und gesellschaftliche Probleme bewegten die Schopenhauers jedoch dazu, 1828 an den Rhein zu ziehen. Ausgaben der Weimarer Zeitschrift ‚Chaos‘ und des ‚Rheinischen Taschenbuchs‘ zeigen frühe Gedichte und Märchen, die Adele in dieser Zeit noch unter Pseudonym oder anonym veröffentlichte. Abermalige wirtschaftliche Schwierigkeiten und das Angebot einer Leibrente von Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach ließen Mutter und Tochter 1837 schließlich zurückkehren und sich in Jena niederlassen. Nach dem Tod Johannas im Folgejahr begann Adele eine Ausbildung zur Arabeskenmalerin. Sie fertigte Titelblätter und Randdekorationen für Gedichte und Kompositionen, wie die ausgestellte ‚Galoppade der Vögel‘ von Wolfgang Maximilian von Goethe, und spezialisierte sich auch auf Miniaturmalerei. Sie rezensierte Bücher von Freundinnen wie Annette von Droste-Hülshoff, schrieb das Opernlibretto für ‚Der Gefangene von Bologna‘ von Walther von Goethe sowie das Drama ‚Erlinde‘ zusammen mit Wolfgang Maximilian von Goethe. Die Ausstellung zeigt hier den Notizenaustausch mit dem Goetheenkel. Ebenfalls zu sehen sind Adeles erste Publikationen unter ihrem eigenen Namen: die ‚Haus-, Wald und Feldmärchen‘ (1844) und der Roman ‚Anna‘ (1845).

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Adele Schopenhauer größtenteils in Rom und Florenz, wo sie unter anderem als Italienkorrespondentin für renommierte deutsche Zeitschriften arbeitete. Eine schwere Gesundheitskrise zwang sie 1848 nach Bonn zurückzukehren, wo sie am 25. August 1849 starb. Die ausgestellten letzten Tagebucheinträge zeugen vom unerfüllten Wunsch, endgültig nach Italien aufzubrechen. Drei Tage später, am 28. August 1849, dem 100. Geburtstag ihres „theuren Vaters“ Goethe, wurde Adele Schopenhauer auf dem Bonner Alten Friedhof beerdigt – ein Zusammenhang, den bereits ihre Zeitgenossen symbolisch deuteten.

Ausstellungsdaten
„Weil ich so individuell bin“. Adele Schopenhauer
2. August bis 15. Dezember 2019
Mo – Fr 8.30 – 18 Uhr
Sa – So sowie an Feiertagen 11 – 16 Uhr
Goethe- und Schiller-Archiv | Mittelsaal
Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar
Der Eintritt ist frei.

Führungen mit den Kuratorinnen Francesca Fabbri und Claudia Häfner
28. August, 9. Oktober, 6. November 2019 | jeweils 16 Uhr

Vorträge zur Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv | Petersen-Bibliothek
19. September 2019 | 17 Uhr
Francesca Fabbri, Weimar: „Meine Seele hat ein Gesellschaftskleid“. Neues und wenig Bekanntes über Adele Schopenhauer

17. Oktober 2019 | 17 Uhr
Ronny Teuscher, Plauen/Vogtland: Adele Schopenhauer als emsige Beschafferin rheinischer Altertümer für Goethe

21. November 2019 | 17 Uhr
Claudia Häfner, Weimar: Adele Schopenhauer und Goethe: ein Briefwechsel

Bibliographische Angaben des Katalogs zur Ausstellung
Adele Schopenhauer. Unbekanntes aus ihrem Nachlass in Weimar
Bearb. von Francesca Fabbri und Claudia Häfner
Weimarer Verlagsgesellschaft, 2019
Preis: 14,90 Euro

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