Das Bewusstsein dafür, dass ohne Meinungsfreiheit alle anderen Freiheitsrechte verloren gehen, nimmt in erschreckendem Maße ab

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Plötzliche Absagen von Veranstaltungen, seien es Vorträge oder künstlerische Vorstellungen sind inzwischen trauriger Alltag in Deutschland, über den sich kaum noch jemand aufregt. Das Bewusstsein dafür, dass ohne Meinungsfreiheit alle anderen Freiheitsrechte verloren gehen, nimmt in erschreckendem Maße ab. Das kaltblütige Kassieren unserer grundgesetzlich garantierten Rechte und deren Umwandlung in „Privilegien“ für gehorsames Erdulden von Corona-Maßnahmen traf auf viel zu wenig Widerstand. Das ist wohl auch ein Grund, weshalb die Denunziationskultur, die sich, gefördert, ja gefordert, von der Politik in unserem Land breit gemacht hat, immer neue Blüten treibt. Nun macht auch schon die Presse mit, die ihre Aufgabe, die Politik kritisch zu begleiten im eigenen Auftrag umgewandelt hat in Anprangerung von Regierungskritikern. Mit welcher Arroganz der Macht dabei vorgegangen wird, hat der Kabarettist Uli Masuth aus Weimar kürzlich erfahren müssen.

Masuth hatte einen Gastspielvertrag mit der Stadt Ettlingen, in der er bereits zweimal erfolgreich aufgetreten ist. Deshalb hatte sich das Kulturamt entschieden, Masuth wieder einzuladen.

Er sollte am 24. Februar in einer neuen „Kultur live“-Reihe im Epernaysaal des Schlosses mit seinem aktuellen Programm „Lügen und andere Wahrheiten“ auftreten. Nun ist ihm abgesagt worden.

Der Vorwurf: Masuth sei seit Corona in der „Querdenkerszene“ in Thüringen aktiv gewesen. Möglicherweise setzt er sich in seinem Programm auch mit der Corona-Politik auseinander. Unbeachtet der Tatsache, dass inzwischen fast alle Corona-Maßnahmen, sei es Maskenzwang, Schulschließungen, Lockdowns, das Verbieten von Kulturveranstaltungen und vor allem der Impfzwang als nutzlos oder sogar als schädlich eingeschätzt werden, und zwar von Politikern wie Karl Lauterbach und Experten wie Lothar Wieler, soll Masuth mundtot gemacht werden.

„Für Kabarett dieser Art ist Ettlingen keine Adresse“, befand der Kulturamtsleiter plötzlich. Ist in Ettlingen eine Aufarbeitung der Fehler in der Corona-Pandemie nicht erwünscht? Das wage ich nicht zu beurteilen.

Klar ist allerdings die schäbige Rolle der Badischen Neuesten Nachrichten. Die Forderung, Masuth auszuladen, wurde von dieser Zeitung erhoben. Die ist auch noch stolz darauf, obwohl es mit ihrem journalistischen Auftrag nichts zu tun hat. Das Blatt entblödet sich auch nicht, einen Kommentar abzudrucken, der allen journalistischen Standards ins Gesicht schlägt. Die Kommentatorin agiert als Aktivistin. Sie beginnt damit, dass jemand „die Kurve gekriegt hätte“, das Auftrittsverbot für Masuth sei richtig und wichtig. Masuth müsse man sich als Veranstalter und Gast nicht anhören. Im Klartext: Die Zeitung maßt sich an zu bestimmen, was das Publikum hören und sehen darf, und was nicht. Das kennt man sonst nur aus Diktaturen. Dann erdreistet sich die Dame noch zu bemerken, die Schadenersatzforderungen dürften sich in Grenzen halten, denn Masuth sei kein „Superstar“. Seit wann gelten bei und zweierlei Gesetze, solche für Superstars, oder was ein Provinzblatt dafür hält und solche für alle anderen?

Dann bekommt der Kulturamtsleiter sein Fett weg, er hätte trotz der erfolgreichen vorangegangenen Auftritte von Masuth gerade nach der Pandemie genauer hinschauen müssen. Verschwörungstheoretikern und Pandemieleugnern müsse die Stadt keine Plattform bieten. Was macht Ettlingen, sollte Gesundheitsminister Lauterbach, der von „Exzessen“ sprach, die während der Pandemie in einigen Bundesländern stattgefunden hätten, auf die Idee kommen, in der Stadt auftreten zu wollen? Wie positioniert sich dann die Kommentatorin?

Ich weiß nicht, wie es um die Leserschaft der Badischen Neuesten Nachrichten aussieht, vermute aber, dass auch sie von den sinkenden Abozahlen und Kioskverkäufen betroffen ist. Kommt in der Redaktion wirklich niemand auf den Gedanken, dass es diese Art des Nicht-Journalismus ist, die Leser sich abwenden lässt?

Wer Uli Masuth erleben will, der sollte nach Weimer kommen. Dort findet vom 1.bis 3. September ein Freiheitsfestival statt. Je mehr Teilnehmer sich einfinden, desto stärker ist die Absage an die Denunziations- und Verbotskultur, die gegenwärtig die Atmosphäre in unserm Land vergiftet.

Quelle: Vera Lengsfeld

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