Denken. Kunst. Frieden, De Gruyter, Berlin/Boston 2018

Susanne Jalka (Hrsg.)

Außenansicht Europaparlament, Foto: Stefan Groß

Susanne Jalka (Hrsg.): Denken. Kunst. Frieden, De Gruyter, Berlin/Boston 2018, ISBN: 978-3-11-058926-9, 39,95 EURO (D)

In diesem Buch werden die Rolle und die Möglichkeiten der Kunst, den Prozess der Entwicklung eines aktiven Friedens zu unterstützen, vorgestellt. Dieses Buch basiert auf Diskussionen an der Universität für angewandte Kunst in Wien zum europäischen Friedensprojekt „Discover Peace in Europe“, wo in sieben verschiedenen Städten in Europa Friedenswege als Themenspaziergänge entworfen wurden.

In 14 Essays widmen sich unterschiedliche Personen einem speziellen Thema, wie Kunst oder Kreativität in Verbindung mit anderen Disziplinen zu einem aktiven Frieden beitragen kann. Die gemeinsame Klammer ist dabei die Überwindung von Platons Satz, Frieden sei die Abwesenheit von Krieg: „In diesem Buch wird also von unterschiedlichen Standpunkten aus untersucht, ob unser Denken als handlungsleitende Kraft neue widerspruchsreiche Vorstellungen von Frieden entwickeln kann. Frieden wird als Fähigkeit zur Transformation von Konflikten beschrieben. Diese Transformation ermöglicht Erkenntnisse. (…) Es geht um die Überwindung des unbedingt Eindeutigen und darum, die Spannung zwischen Differenzen zu halten.“ (S. 8)

Im Folgenden werden Ansichten, Anregungen und Lösungsansätze verschiedener Art beschrieben. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit Methoden der konstruktiven Konflikttransformation, Erkenntnisse aus der Neurobiologie, demokratische und soziale Formen des Zusammenlebens wie Menschenrechte, Gleichberechtigung oder sozialer Ausgleich, der Absolutionsanspruch von Wahrheit oder Frieden als Vorstellung. Das europäische Friedensprojekt wird ebenfalls vorgestellt.

Lehrreich sind vor allem die unterschiedlichen Ansätze einer Friedenserziehung im Kunstunterricht und der Beitrag von Gerald Bast, der in dem Ausspruch „Kreativität ist Macht!“ gipfelt. Dies wird im Kontext der digitalen Informationsflut gesehen, wobei die kreative Kontextualisierung und Rekombination entscheidend ist: „Und je breiter diese Kreativkompetenz in der Gesellschaft verbreitet ist, desto besser sind die Voraussetzungen für die positive Entwicklung einer Gesellschaft zum Vorteil möglichst vieler ihrer Mitglieder.“ (S. 21)

Kunst kann jedoch noch viel leisten: Die Dekonstruktion und Neuinterpretation von Schlachtengemälden oder siegreicher Feldherrn in der Wissenschaft, in musealen Workshops oder in der breiteren Form der Weiter- und Erwachsenenbildung und der kulturellen Bildung.

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