Kurt de Swaaf: Der Zustand der Welt.

Warum wir die Erde noch retten können und was wir dafür tun müssen

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Kurt de Swaaf: Der Zustand der Welt. Warum wir die Erde noch retten können und was wir dafür tun müssen, Terra Mater, Wals bei Salzburg 2021, ISBN: 978-3-99055-024-3, 24 EURO (D)

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES ist eine Teilorganisation der Vereinten Nationen. Er hat die Aufgabe, die Politik zum Thema biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen wissenschaftlich zu beraten. Der Weltbiodiversitätsrat sammelt weltweit wissenschaftliche Daten, analysiert diese und zeigt politische Handlungsmöglichkeiten zum Schutz der biologischen Vielfalt auf.

In ihrem großen Bericht setzen sich über 500 Wissenschaftler*innen auf der Basis von Studien, die sich auf dem gesamten Planeten gemacht haben, mit dem Status Quo der Ökosysteme, ihrer Lebewesen und der Umweltbedingungen auseinander.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichtes werden hier in diesem Buch von dem Wissenschaftsjournalisten Kurt de Swaaf zusammengefasst und für eine breitere Leser*innenschaft in einer verständlichen Weise aufbereitet.

Im ersten Kapitel werden die Ursachen für den schlimmen Zustand des Planeten aufgezeigt. Danach gibt es einen Überblick über die derzeitige Lage, bevor mögliche Zukunftsentwicklungen vorgestellt werden. Dabei wird konstatiert, dass sich die biologische Vielfalt und die Leistungen von Ökosystemen verschlechtert dramatisch: Das Artensterben ist heute mindestens dutzende bis hunderte Male größer als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre.75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche sind stark verändert. Über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind verloren gegangen. Die negative Entwicklung ist auf zahlreiche direkte Treiber wie beispielsweise Landnutzungsänderungen, Umweltverschmutzung und Klimawandel zurückzuführen.

Soziale und politische Rahmenbedingungen, bieten wichtige Ansatzpunkte für Maßnahmen auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen. Dies wird im letzten Kapitel veranschaulicht, der ein „Ausblick und Aufruf zugleich“ ist. (S. 12)

Neben dem Appell an die zivilgesellschaftlichen Möglichkeiten, also was jede Person tun kann, wird ein neues Wissen und der Schaffung eines besseren Bewusstseins über den Wert der Ökosysteme angemahnt: „Wir Menschen brauchen eine neue Sicht auf diese Welt, und auf uns selbst.“ (S. 188) Auf der praktischen Ebene werden juristische Richtlinien und politische Maßnahmen gefordert. Neben der Implementierung von Ökosteuern soll ein gesetzlicher Rahmen für das Management von Süßwasser in all seinen Formen (Grundwasser, Oberflächenwasser und Abwasser) gesetzt werden.

Ohne eine deutliche Zunahme an staatlichen und internationalen Regulierung wird es nicht gehen. Das Konzept der Postwachstumsgesellschaft wird der Gedanke des „Buon vivir“ (gut leben) genannt. Neben sozialen Aspekten wie Solidarität und Kooperation peilt das Konzept auch eine harmonische Beziehung zur Natur an.

Dieses Buch zeigt die dramatischen Auswirkungen der menschlichen Gesellschaft auf die Umwelt, aber auch die Entstehung eines notwendigen Bewusstseins für die Gefahren und ein kurzfristiges Umsteuern. Es vermittelt insgesamt gesehen sachgerechte Informationen zum Thema Klimawandel mit einer guten Mischung aus Analyse und Gegenmaßnahmen. Deutlich ist: Es mangelt nicht an Konzepten und Ideen, sondern an der raschen Umsetzung dieser und einer ernsthaften Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft.

Zur Vertiefung zu empfehlen ist auch folgendes Buch: Daniel R. Headrick: Macht euch die Erde untertan. Die Umweltgeschichte des Anthropozäns, WGB Theiss, Darmstadt 2021, ISBN: 978-3-8062-4394-9, 50 EURO (D)

 

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Über Michael Lausberg 444 Artikel
Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.