Tetzel und das deterministische Chaos

Leipzig Foto: Stefan Groß

Vor 500 Jahren stirbt Johann Tetzel in Leipzig verbittert, arm und gemieden. Von Beruf ist der Dominikaner ein höchst erfolgreicher Ablassprediger. Die Ablasspredigten veranlassen Luther, 95 Thesen gegen den Ablass zu richten und diese an einer Kirchentür zu nageln. Damit wird die Einheit der Christen Europas vernichtet, die bis heute anhält.

Der Marktschreier Tetzel wegen seiner Marktschreie wohl bekannt:

Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!

Verständlich übersetzt:

Wenn ihr mir euer Geld gebt, dann werden eure toten Verwandten nicht mehr in der Hölle schmoren, sondern in den Himmel kommen.

Ein halbes Jahrtausend nach dem Tod Tetzels erfährt der Ablass eine gewaltige Renaissance. Da das Christentum nicht mehr nur gespalten, sondern auch ausgedörrt seinem Untergang entgegenfiebert, hat die Politik – und freitags die Straße – die Aufgabe der Religion übernommen: Der Glaube an Gott wird zur Klima-Ideologie, die Toten in der Hölle zu CO2-Zertifikaten! Dem der Demokratie vertrauende Bürger wird die Wiedergutmachung des von Menschen verursachten Klimawandelschadens und somit das ewige Leben der Menschheit auf dem Planeten Erde versprochen. Wie vor 500 Jahren glaubt der Politgläubige daran.

Die Forderungen der Klimaaktivisten, die von der Politik gerne aufgegriffen werden, fallen heute in Deutschland auf genauso fruchtbaren Boden wie damals Tetzels Forderungen. Herrschende und herrschen Wollende können es nicht fassen, dass das Volk nach Abgaben lechzt und nach mehr Steuern verlangt! Dem kommen Politiker gerne nach und sind sogar nach über 30 Jahren bereit, auf den Solidaritätszuschlag, bekannt als „Soli“, freiwillig vor diversen unwichtigen Landtagswahlen zu verzichten!

Actio und Reactio: Wo ein Tetzel, da ein Luther

Jede Aktion erzeugt eine Gegenreaktion, das wissen Naturwissenschaftler und Marxisten. Politiker und ihnen nach dem Maule redenden Experten wissen dies gewöhnlich nicht oder verbergen ihr Wissen, um nicht die breit fließenden €€-Einnahmen aufs Spiel zu setzen. Ein neuer Luther wird kommen, der die Klimaaktivisten bekämpfen und vertreiben wird!

Doch ein Luther ist gefährlich. Denn um die Gunst des blöden Volkes zu erheischen, wird Luther es auffordern, lästige und unbeliebte Minderheiten zu verfolgen. Normalerweise sind damit die Juden gemeint, die vor Luthers Hassreden noch nach Jahrhunderten zum Opfer fallen. Heute, im Zeitalter des Internets, geht alles schneller von der Hand. Zudem leben seit Kurzem auf dem Territorium Deutschlands viele fremde Völker, die den Hass des einfachen Volkes auf sich ziehen, welches bisher den Soli bezahlt hat und nun auf CO2-Zertifikate umsteigen soll. Der vergleichsweise billige Soli sollte das deutsche Volk in den neuen Bundesländern auf die Qualität und Quantität des Westens wuchten, damit die Ossis im Osten bleiben und nicht den Westen überrollen. Die Gelder für CO2-Zertifikate werden jedoch an die Armen der Welt verteilt werden, damit die Armen der Welt in ihrer angestammten Heimat bleiben und nicht Deutschland und die EU überschwemmen. Doch das eine wird wie das andere misslingen. Denn das viele schöne Geld, die das einfache Volk sich vom Munde spart, landet größtenteils woanders. Gewöhnlich bleibt es bei korrupten Politikern und anderen Räubern an klebrigen Fingern hängen.

Dass Luthers Denke auf die Worte des Marktschreiers Tetzel basiert, hat sich bis zum Vatikan herumgesprochen. Nur eingefleischte Lutheraner verdrängen die Tatsache, dass Luther am Holocaust und am Boykott von Juden (BDS) mitschuldig ist. Wer trägt also die Schuld am kommenden neuen Luther, der die Scheinheiligkeit der Klimaaktivisten und deren Politiker aufdecken wird? Beim alten Luther vor fünf Jahrhunderten ist es die Katholische Kirche in Form von Tetzel, beim neuen Luther fällt die Schuld auf die Klimaaktivisten mit ihren gierigen Politikern im Schlepptau.

Tetzels Marktschreie sind ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Verschwinden des Mittelalters. Die Taten und Worte der Klimaaktivisten sind ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Untergang der Demokratie und ihrer Wirtschaftsform. Tetzel kann sich nicht den Holocaust und die Atombombe vorstellen. Hingegen wüscht sich manch ein Klimaaktivist das Ende der Demokratie und der dazugehörigen Wirtschaftsform.

PS:

Manch Einfältigem wird es entgangen sein, dass die Spenden an die Katholische Kirche vor 500 Jahren nicht den erhofften Erfolg zeitigen. Die Seelen kommen nicht in den Himmel. Es darf somit nicht verwundern, dass noch heute einfache Menschen glauben, dass eine CO2-Steuer den Klimawandel aufhalten wird. Der Klimawandel lässt sich nicht aufhalten, schon alleine deshalb nicht, weil wir Menschen den zukünftigen Verlauf des (Welt-)Klimas nicht ausreichend genau berechnen können. Eine unbekannte Zukunft lässt sich nicht beeinflussen.

Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen? (Edward Lorenz)

Der Schmetterlingseffekt (butterfly effect) ist ein Phänomen der nichtlinearen Dynamik. Er tritt in nichtlinearen dynamischen, deterministischen Systemen auf und äußert sich dadurch, dass nicht vorhersehbar ist und wie beliebig kleine Änderungen der Anfangsbedingungen des Systems sich langfristig auf die Entwicklung des gesamten Systems auswirken (Deterministisches Chaos). Das Klima samt Wandel unterstehen diesem Phänomen.

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.