Ukraine – Ein Ablenkungstheater

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Dr. Thomas Flichy de La NeuvilleRennes School of Business

Es ist ziemlich seltsam, dass alle Augen derzeit auf das Asowsche Meer und die Randgebiete der Ukraine gerichtet sind – die nicht das geringste wirtschaftliche Interesse haben -, während das entscheidende Schachspiel im Norden um die neue Gasverbindung zwischen Russland und Deutschland durch die Nord Stream 2 Pipeline gespielt wird. Seit dem Tag, an dem die Seemacht der USA die Deutschlands und Großbritanniens übertraf, ist bekannt, dass Amerikas konstante Politik darin besteht, die geopolitische Verbindung zwischen dem deutschen Werk und den gigantischen Energiereserven Russlands mit allen Mitteln zu unterbinden. Diese Trennung zwischen dem Werk und seinen Lieferanten verhindert die Entstehung einer echten Konkurrenzmacht in Eurasien.

Zweimal – in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts – warfen die USA all ihre Kräfte in die Waagschale, um Westeuropa und Russland sorgfältig geteilt zu halten. Dieser uralte Hintergrund kann Licht  in den aktuellen Konflikt bringen.

Im Norden verbindet das Nord Stream 2 Projekt seit einigen Wochen die nördlichen Gasreserven Russlands mit dem deutschen Industrienetz über die Ostsee. Die Pipeline soll den steigenden Gasbedarf in Europa decken, der bis 2035 auf 120 Milliarden Kubikmeter geschätzt wird.

Zunächst setzten die Amerikaner alle Ressourcen ihrer Vorstellungskraft ein, um die Nord Stream 2 Pipeline zu verhindern. Eine der verzögernden Maßnahmen bestand in der Finanzierung von Umweltparteien, die auf die möglichen Schäden für die Meeresumwelt durch eun solches Projekt hinwiesen. In einem zweiten Schritt riefen die USA die Operation „Molecules of Freedom „ ins Leben, ein alternatives Projekt zum Export von verflüssigtem Schiefergas an polnische Terminals.

Da die deutsch-russischen Interessen jedoch stärker waren als die Sabotagemaßnahmen, wurde am 21. Juli 2021 mit Deutschland eine Vereinbarung getroffen, der zufolge die USA ihr Veto gegen die Fertigstellung der Pipeline im Gegenzug für eine entschlossene Unterstützung der Ukraine aufheben würden. In diesem Rahmen war Russlands Akzeptanz der Ausbreitung des ukrainischen Abszesses das Unterpfand für den industriellen Blankoscheck im Norden. Die russische Diplomatie war bereit, diesen Kompromiss anzunehmen. Ein Beweis dafür ist die außergewöhnliche russische Übertragung des Verteidigungsrates zur Vorbereitung der Aktionen am Abend des 21. Februar, bei der sich die wichtigsten Staatsmänner offiziell der Meinung von Wladimir Putin anschlossen, während einige ihre teilweise Missbilligung durch subtile Vorbehalte zum Ausdruck brachten.

Die Ukraine ist also nur der südliche Schalter, der die elektrische Verbindung im Norden steuert. Die vor zwei Tagen durchbrannte Sicherung muss früher oder später ersetzt werden.

Medienkontakt:
Ida Junker