Geschichtsfälschung à la Maas

"Mehr Demokratie wagen"

Bundestag Foto: Stefan Groß

Der SPD-Bundesaußenminister Heiko Maas rügt die AfD vehement, weil sie die Wahlwerbung des einstigen sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt für ihre eigene Wahlwerbung nutzt:

— Mehr Demokratie wagen —

Willy Brandt hätte für Rechtspopulisten nur abgrundtiefe Verachtung gehabt, twittert der SPD-ler à la Trump. H. Maas empfindet den Spruch „Mehr Demokratie wagen“ einfach widerlich. Fraglich ist, ob Maas diesen Spruch an sich widerlich empfindet oder nur im Zusammenhang mit der AfD.

Dabei hat W. Brandt mit diesem Wahlversprechen die politischen Kräfte in Deutschland gefördert, die nun an der Macht sind. Brandts Versagen, zumindest was es die SPD betrifft, lässt sich nur wiedergutmachen, wenn künftig weniger Demokratie praktiziert wird, beispielsweise mit Hilfe einer Koalition der SPD mit der SED, die sich heute anders nennt. Schon damals weiß der sozialdemokratische Bundeskanzler, dass „Mehr Demokratie wagen“ Jahrzehnte nach dem Holocaust und dem verlorenen Weltkrieg dem ähnlich klingenden „Mehr Judenhass wagen“ beim Wahlvolk gut ankommt. Für Brandt ist der Judenstaat Israel bereits vor seiner Entstehung ein linker geschichtlicher und politischer Störfaktor, zu dem er an keine engen Kontakten interessiert ist. Das entspricht bis heute der Mehrheitsmeinung der SPD-Basis, deren Gründe dafür in dem seit 1968 einsetzende Zustrom aus den Reihen der neulinken außerparlamentarischen Opposition liegen, die nach guter deutschen Tradition, der auch Willy Brandt nachhängt, Zionismus feindlich ist und dem Staat der Juden skeptisch bis feindselig gegenübersteht.

Zum anderen favorisiert das damalige Auswärtigen Amt unter Außenminister Scheel (FDP) die Erdöl haltige arabische Welt. Der FDP-Vorsitzende Walter Scheel umorientiert seine Partei seit 1966 von rechts- auf linksliberal, behält jedoch deren israelkritische (antisemitische) Grundhaltung bei. Diese Grundhaltung wird bereits 1952/53 bei der Ablehnung des Wiedergutmachungsabkommens sichtbar. Weiterer FDP-Israelhass: s. Möllemann.

Zunächst soll Brandt alles getan haben, um den Nahost-Krieg von 1973 nicht zu verhindern. Während des Jom-Kippur-Kriegs 1973, zu Brandts Regierungszeit als Bundeskanzler, versucht er dann – glücklicherweise erfolglos – US-Waffenlieferungen an Israel über Deutschland zu verhindern. Es stört ihn nicht, wenn die Juden zum zweiten Mal im Laufe des 20. Jahrhunderts vor der Ausrottung stehen. Er tröstet sich mit dem Gedanken, dass 1973 mehr Juden in den USA als in Israel leben.

Bundeskanzler Willy Brandt, der heute mangels Erinnerungsvermögen als Friedensstifter hoch gehandelt wird, hätte den für Juden und Araber verlustreichen Jom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973 verhindern können. Ohne diesen Waffengang, der Israel beinahe ausgelöscht hat, wäre die erste globale Ölkrise der Jahre 1973/74, unter der auch Deutschland leidet, nicht ausgebrochen.

Damals steht die Welt am Rand eines Atomkriegs, um den Staat Israel auszulöschen, den Brandt bewusst oder unbewusst akzeptiert. Die Deutschen sollten heute glücklich sein, dass die USA dem Judenstaat Israel trotz deutschem Embargo – entsprechend dem heutigen BDS – Waffen schicken und die Juden den nach W. Brandt „aussichtslosen Krieg“ trotzdem gewinnen. Somit wird Dank der Juden ein Atomkrieg verhindert, wofür Heiko Maas dem Staat Israel dankbar sein sollte, statt historische Lügen zu verbreiten.

Brandts friedenspolitisches Fiasko von 1973 ist weder Zufall noch Unfall. Es ist Brandts Nahost-Strategie. Die Richtlinie des Kanzlers ist im Kabinettsgespräch vom 11. Februar 1970 eindeutig: Unsere Nahostpolitik sollte ausgewogen sein und ohne Komplexe betrieben werden, d.h. ohne Schuldanerkennung, was dem deutschen Beitrag am Holocaust entspricht, an dem auch SPD-Mitglieder sich die Finger schmutzig gemacht haben.

Wir haben von alters her ein gutes Verhältnis zu den Arabern, sind aber Israel gegenüber zu besonderer Ausgewogenheit verpflichtet; durch deutsche Schuld sind Millionen von Juden umgekommen. Als Junge war ich Antizionist (später nicht mehr?), wie übrigens auch meine jüdischen (sic!) Freunde  damals. Durch den Krieg und nach dem Krieg durch Bildung des Staates Israel ist jedoch eine neue Lage entstanden.

Außenminister Maas bemerkt jedoch historisch falsch, dass Willy Brandt ein Versöhner und Friedensstifter bleibt. Er verweist auf den gekonnten Kniefall des Kanzlers am 7. Dezember 1970 am Denkmal für die Helden des jüdischen Ghettos in Warschau. Denn nur tote Juden sind gute Juden. Doch einige wenige Helden des jüdischen Ghettos in Warschau überleben und kämpfen erfolgreich für die Schaffung eines Jüdischen Staates auf historischem Boden. Trotz W. Brandt.

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Nathan Warszawski
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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.