Nach der Europa-Wahl: Welche Parteien könnten sich der Union anschließen?

brüssel europa flagge fahne europäische kommission, Quelle: NakNakNak, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig, https://pixabay.com/de/photos/br%C3%BCssel-europa-flagge-fahne-4056171/
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Nach der Europawahl müssen sich die unterschiedlichen Lager entscheiden, mit wem sie in Zukunft im Europaparlament Mehrheiten bilden wollen. Diese Frage stellt sich auch auf Bundes- und Landesebene. Und sie stellt sich mutmaßlich vor allem für die Union. Wie die EVP auf europäischer Ebene so ist auch die Union auf Bundesebene derzeit die stärkste Kraft. Ohne und gegen sie könnte nach den derzeitigen Umfragen keine Regierung gebildet werden. Wir haben deshalb gefragt, welche Parteien CDU/CSU ausschließen sollten, wenn es darum geht, parlamentarische Mehrheiten zu bilden. Fast jeder zweite Befragte (46 Prozent) nennt die AfD, fast jeder Dritte (30 Prozent) Bündnis90/Die Grünen und gut jeder Vierte die Linkspartei (26 Prozent). Etwa jeweils jeder Fünfte möchte nicht, dass die CDU/CSU mit der SPD (20 Prozent), der FDP (20 Prozent) oder dem BSW (20 Prozent) eine parlamentarische Mehrheit erreicht.

Interessant ist auch hier der Blick auf die Wählerschaften der einzelnen Parteien: Bei Unionswählern gibt es den geringsten Widerspruch zu Mehrheiten mit der FDP (20 Prozent) sowie mit BSW (25 Prozent) und der SPD (25 Prozent). Jeweils etwa nur jeder fünfte Wähler des BSW (19 Prozent) und der Grünen (20 Prozent) möchte nicht, dass die Union mit ihrer Partei eine parlamentarische Mehrheit schafft. 28 Prozent der SPD-Wähler möchten nicht, dass die SPD der Union zur Mehrheit verhilft. Jeder dritte AfD-Wähler (33 Prozent) möchte nicht, dass seine Partei mit der Union koaliert. Unter den FDP-Wählern sagen das sogar 36 Prozent.

Nur jeder elfte Wähler der Grünen (9 Prozent) wäre dagegen, wenn Union und SPD eine Mehrheit bilden. Nur jeder neunte SPD-Wähler (11 Prozent) wäre gegen eine Zusammenarbeit der Union mit der FDP und jeder neunte Wähler der AfD (11 Prozent) gegen eine Zusammenarbeit mit den Freien Wählern. Deutlich mehr Wähler dieser Parteien lehnen eine Koalition der Union mit der Partei, die sie zu wählen beabsichtigen, ab.

Koalitionen werden von den Wählern der davon betroffenen Parteien oft kritischer gesehen als von Wählern anderer Parteien. Hier spielen sicher auch Erfahrungen mit, die in Koalitionen schon gemacht wurden. Es reicht nicht aus, dass Koalitionen insgesamt große Akzeptanz finden, sie müssen auch in den jeweils betroffenen Wählerschaften auf breite Zustimmung stoßen.

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Über Hermann Binkert 263 Artikel
Hermann Binkert ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Jurist ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts INSA-CONSULERE. Bevor er INSA im November 2009 in Erfurt gründete, war Binkert 18 Jahre im öffentlichen Dienst, zuletzt als Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund, tätig. Heute gehört er zu den renommiertesten Meinungsforschern Deutschlands und erhebt Umfragen für Ministerien im Bund und in den Ländern, für alle Parteien und Fraktionen, die im Bundestag und in den Landtagen vertreten sind. Wöchentlich stellt INSA die Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag und die BILD. Das Meinungsforschungsinstitut arbeitet für viele großen Verlage, z. B. Springer, Burda, Funke, Madsack. Es führt aber auch Fokusgruppengespräche und Testkäufe durch.